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DSDS, Supermodels, Bundestag, Landtag, Kreistag, der Kurzohrhasenzüchterverein “Superrammler Halbermoos e.V.” – alle suchen sie was . Sie nämlich, den mündigen Bürger!
Wir Deutschen sind ein Volk der ewig Suchenden und das hat sich seit 1945 nicht geändert. Wir suchen Arbeit, unsere nationale Identität, den Superstar, das Supermodel, den Sinn des Lebens – und seit neuestem auch Menschen für einen ganz und gar verheißungsvollen Posten: Werden Sie Chipstester!
Da entblödet sich ein namhafter Hersteller für Knabbereien doch tatsächlich unter Einbeziehung eines ebenso namhaften Sporthelden, die gewichtige Frage zu stellen:
“Hast Du das Zeug zum Chipstester?”
Wie blöd ist das denn? Da werden unter Aufbietung von luxoriös verpackten Knabbertüten, stolz präsentiert von einem idolträchtigen Milchbart, Wahlen ausgeschrieben. Deutschland wählt den Super-Chip! In einer groß angelegten Kampagne auf Facebook und anderen “Social Communities” wirbt die Firma für die Einführung einer neuen Produktpalette.
Dabei ist man sehr darauf bedacht, den anzuwerbenden Multiplikatoren ein exklusives Image zu verheißen: Nein, es kann nicht einfach jeder mitmachen – das wäre zu einfach! Drei entscheidende Schritte trennen den interessierten Couch-Potatoe von seinem Glück, zu den Auserwählten zu gehören:
- Registrieren: Das schafft schonmal einen gehörigen Grundstock an Email-Adressen und Profildaten für eine zielgerichtete, “individuelle” Werbung, kostenfrei geliefert ins eigene Postfach und auf die Pinwand des bevorzugten sozialen Netzwerkes.
- Chips-Tester-Bewerbung ausfüllen: Das ist ja wie bei der Job-Suche: Was können Sie, welche Qualifikationen bringen Sie für diesen verantwortungsvollen Posten mit? Sind Sie denn gut genug, um unsere frittierten Kartoffelscheiben zu sich zu nehmen?
- Deine Freunde für Dich voten lassen: Aha – allein auf Ihre Angaben wollen wir uns denn doch nicht verlassen! Kann denn jemand bezeugen, dass Sie auch wirklich dazu in der Lage sind, Kartoffelchipse in sich hineinzustopfen? Dahinter steckt natürlich eine weitere Multiplikationsstrategie: Wer “votet”, der ist ebenfalls registriert. Alles potentielle Kunden und Werbeträger…
Als Lohn der ganzen Mühe hat der Bewerber dann die Aussicht auf fünf Tüten Fritten – luxoriös verpackt, natürlich! Und eventuell das Gefühl, mit Ba#?i#n Schw#*nst#§&#g#r zusammen für etwas ganz Großes gekämpft zu haben.
Mal ganz ehrlich, liebe Leser – wie dumm muss man denn sein, um Zeit und Energie in das Durchlaufen dieser Prozedur zu investieren? Welches Armutszeugnis stellt sich denn jemand aus, der sich von der markigen Ansage: “Hast Du das Zeug zum Chips-Tester” aus der Reserve locken lässt? Beweise Deine Tatenkraft und friss Kartoffeln?!
Das ist doch schon Realsatire, vergleichbar etwa mit dem Einfahren ins Dschungelcamp, in den Container des Großen Bruders oder den ganzen Spacken bei der Oliver-Geißheimer-Show?
Mich jedenfalls berührt diese Werbekampagne eher peinlich. Was denken Sie?
Menschen heiraten, das ist nichts Außergewöhnliches. Früher träumten kleine Mädchen davon, einmal einen Prinzen zu heiraten, wenn sie mal groß sind. Auch das war nichts Außergewöhnliches. Außergewöhnlich ist allerdings der Hype um die Hochzeit des englischen Prinzen Willhelm mit der “bürgerlichen” Käthe.
Warum begeistern sich die Massen so sehr für dieses “Royal Wedding” und für G’schichten um Königshäuser und Adelsgeschlechter überhaupt? In Deutschland wurde die Monarchie bereits 1918 abgeschafft und als “aufgeklärtes Volk” hatten wir Muff, Pomp und Kitsch bereits aussortiert und hinter uns gelassen. Groschenhefte über Adelshäuser war bestenfalls noch etwas für Ommis und spießige, vereinsamte und vom Leben enttäuschte Hausfrauen in den Wechseljahren.
Plötzlich aber ist die glitzernde Traumwelt der Aristokratie wieder zeitgemäß. In einer krisengeschüttelten Zeit, in der das Individuelle immer mehr der Not der Anpassung weichen muss, sehnen sich die Menschen ganz offenbar nach Bedeutungshaftigkeit und persönlicher Macht. Die Monarchie bietet ein Leben in vorgegebenen, festen Bahnen – jeder hat seinen Platz. All das wird mit der Zugehörigkeit zu einer abstrakten “gehobenen Klasse” assoziiert – anders kann ich mir das neu erstarkte Interesse an Adelshäusern und ihren Highlights und Dramen beim besten Willen nicht erklären. Wir sind dankbare Untertanen der Könige von Schlaraffia und Kitschland. Und dann wird ein alter Mädchentraum wahr:
Der Prinz heiratet das Aschenputtel. Welch ein Jauchzen und Jubilieren! Aber Obacht – in dieser verqueren verzauberten Welt ist vieles möglich und wer einen Prinzen küsst, könnte leicht zum Frosch werden.





